In der letzten Zeit hatte mein Kumpel Herbert sich rar gemacht. Allerdings musste man ihm zugestehen, dass es schon eines gewichtigen Grundes bedurfte, bei dem zuletzt herrschenden Wetter seine warme Wohnung zu verlassen. Man darf bemerken, dass das Wetter, unter Intellektuellen als Gesprächsthema mit einem Nasenrümpfen bedacht, in seinem Einfluss oft unterschätzt wird. Tatsächlich ist die Bereitschaft zu Aktivitäten in sonniger Atmosphäre bedeutend größer als bei trüben Aussichten. Heute, bei einem ständigen Wechsel von Sonne und Wolken, hat Herbert offenbar einen triftigen Grund, bei mir vorbeizuschauen. Ich montiere auf der Terrasse gerade Füße an einen neuen Feuerkorb, da biegt mein Freund sichtbar gut gelaunt um die Ecke.

„Wo hast du sie hingehängt? Wo sind sie?“, ruft er schon aus zehn Metern Abstand und lacht sich dabei geradezu kaputt.

„Erstmal Tach, Herbert“, sage ich. „Was hingehängt? Wo ist was?“ Ich habe keine Ahnung wovon er spricht.

„Hallo Andreas. Na, die Ostereier! Die Ostereier aus Plastik, die du bei Conny gekauft hast!“ Mein Kumpel ist reinweg aus dem Häuschen.

„Woher weißt du das denn?“, frage ich und denke, dass wirklich nichts unwichtig genug ist, um nicht weitererzählt zu werden.

„Das weiß ich von Grit. Die arbeitet bei Connys Hauswaren und hat dich erkannt. Außerdem weiß sie, dass wir uns kennen. Grit weiß fast alles, was im Dorf so abgeht.“

„Aber eben nur fast. – Die sind nicht für mich“, gebe ich wahrheitsgemäß Auskunft, biete Herbert einen Stuhl an und gehe Richtung Hauswirtschaftsraum, um uns ein Bier zu holen.

„Und einen Schnaps, wenn du hast. Ist ja doch noch ganz schön frisch“, ruft mein Kumpel und macht es sich auf dem Gartenmöbel bequem.

„Eierlikör?“, frage ich.

„Gute Idee“, sagt Herbert und fängt wieder an zu lachen, „aber lieber was Richtiges.“

Ich stelle ihm ein Pinnchen und eine Flasche Haselnussschnaps hin, die wir vor Jahren mal geschenkt bekommen haben und die sonst keiner trinkt. Herbert gießt sich ein, kippt ihn sich in den Hals, verzieht kurz das Gesicht und grinst dann zufrieden. „Und – wo willst du sie nun hinhängen?“

„Nirgends“, sage ich, setze mich ebenfalls, mache mein Bier auf und erkläre: „Also, diese grässlichen Plastik-Ostereier habe ich im Auftrag meiner Schwiegermutter gekauft, die sie sich auf ihrem Waldgrundstück in Klein Köris in die Büsche hängen will. Zuerst war ich bei Penny, dann bei Aldi; da gab es die nicht, und ich dachte schon: Klasse, die werden nicht mehr hergestellt. Aber dann habe ich noch bei Conny vorbeigeschaut, und da hatten sie welche.“

„War dir das nicht peinlich?“

„Ja, natürlich! Schlimmer als hätte ich ein Pornoheft auf den Tresen gelegt! Aber immerhin hatte ich ja die Maske auf.“

„Die hat nichts genützt“, bemerkt mein Kumpel und nimmt sich noch einen Schnaps.

„Merke ich jetzt auch.“

Herbert trinkt seinen Klaren und macht dann ein nachdenkliches Gesicht: „Gibt es eigentlich noch Pornohefte?“

„Weiß ich nicht.“

„Ich mein ja nur, weil man ja jetzt alles im Netz gucken kann.“

„Ich hab wirklich keine Ahnung. Aber es könnte schon sein, dass die kaum noch hergestellt werden. Ist mir aber auch egal.“

„Aber das wäre schon ein Ding, wenn keine Pornohefte mehr produziert würden, aber immer noch diese schrecklichen Plastik-Ostereier.“

„Ich glaube“, sage ich und nehme einen kräftigen Schluck Bier, „ich glaube, das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.“

„Stimmt“, sagt mein Kumpel, „weil niemand sich Pornohefte in den Strauch im Vorgarten hängen würde, aber jede Menge Leute diese scheußlichen Eier.“

„So isses, Herbert“, sage ich, „so isses wohl.“

Entspannt lehne ich mich in meinem Gartenstuhl zurück. – Manchmal ist es einfach mal dran, sinnloses Zeug daherzureden, albernen Blödsinn, der trotzdem noch den Anschein erweckt, klug und durchdacht zu sein. Schön, wenn man jemanden hat, mit dem man das zusammen machen kann.

© Andreas Scheffler, März 2021

Andreas Scheffler: Schweinkram

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