Seitdem die Maskenpflicht in unserem Land zu den obersten Geboten gehört, muss ich ständig an Loriot denken, genau genommen an Vic Dorn aus dem Sketch „Das Filmmonster“, der von der Reporterin eines Frauenmagazins gebeten wird, doch einmal seine scheußliche Filmmaske abzulegen, bis sich herausstellt, dass er gar keine trägt. „Was für eine Maske?“, fragt er irritiert, und der Zuschauer verspürt zugleich die Peinlichkeit, die auf der Journalistin lastet wie auch die Komik, die dieses grandiose Missverständnis auslöst.

In eine ähnliche Situation geriet ich selbst vor einigen Jahren, als ich eine Kollegin, die ich eine Weile nicht gesehen hatte und die in der Zwischenzeit im Taillenbereich sichtbar an Volumen zugelegt hatte, öffentlich fragte, ob sie schwanger sei. Ich wollte gerade zu einem aufrichtigen Glückwunsch ansetzen, da fragte sie ihrerseits: „Schwanger? Wieso?“ Die Verlegenheit, die ab sofort im Raum hing, löste sich erst, nachdem die Kollegin den Raum verlassen hatte, in allgemeinem Gelächter auf.

Das Gesicht von Vic Dorn wird mich hingegen in den nächsten Wochen immer und immer wieder gedanklich heimsuchen.

(Andreas Scheffler, Mai 2020)

Andreas Scheffler: Was für eine Maske?

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