Anlässlich der aktuellen Aktualitäten hier eine passende Folge aus meinem beruflichen Werdegang.

Aus der Reihe: Mein Leben in 26 Berufen

Folge 5:

Arbeiter in der Hähnchenschlachterei (1981)

Durch die Fürsprache meines Onkels hatte ich den vergleichsweise ziemlich gut bezahlten Ferienjob in der sehr, sehr, sehr großen Hähnchenschlachterei in unserem Landkreis ergattert.

Sie stellten mich ans Fließband, wo ich mit der leichtesten aller verfügbaren Aufgaben betraut wurde. 

Ich musste mit einer Art extrem leistungsstarken Handstaubsauger die Innereien aus den frisch geschlachteten Hähnchen entfernen. Im Tempo des Fließbands.

Nach gut zwei Stunden hatte ich eine tischtennisballgroße Schwellung am Handgelenk, da ich den Saugstutzen die ganze Zeit falsch, also dämlich gehalten hatte.

Wegen mir musste das Band angehalten werden. Die Verpackung gestoppt. Das Schlachten unterbrochen. Riesenschaden!

Der Vorarbeiter betrachtete meinen Unterarm und feuerte mich sofort. 

Ich bekam immerhin einen vollen halben Tageslohn. Wegen Anstand.

Auf dem Heimweg kam ich mir vor, wie ein Weltkriegssoldat, der sich aus schierer Ungeschicklichkeit gleich beim ersten Manöver so schlimm selbst verstümmelt hat, daß er erst ins Lazarett und dann zurück nach Hause geschickt wurde.

Wenigstens einer war heute der Hölle entkommen.

(Horst Evers, Juni 2020)

Horst Evers: Arbeiter in der Hähnchenschlachterei (1981)

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