„Entschuldigung, können Sie mir sagen, wo es hier zum Hauptbahnhof geht?“
Der Mann, der mich angesprochen hat, schaut dabei auf das Schnitzel in seiner Hand, als wäre auf dem eine Karte der Umgebung hochgeladen.
Ich denke: Kann das sein? Gab es schon wieder einen Entwicklungssprung? Gibt es mittlerweile womöglich tatsächlich die ersten Schnitzel mit WLan und integriertem Navi? Das I-Schnitzel oder ein Kotelett-Galaxy S9. Das soll ja jetzt das nächste große Ding werden. Cross-over Technologien. Nach dem Internet der Dinge jetzt das Internet der Lebensmittel.
„Entschuldigung, kann man hier auch mit Schnitzel bezahlen?
-Oh nein, tut mir leid, bei uns leider nur mit Visa-, Mastercard oder Currybullette mit Geheimzahl. Aber probieren Sie es doch mal beim veganen Imbiss gegenüber. Die akzeptieren, glaube ich auch Prepaid-Schnitzel.“
Nur kurz nachdem ich dem Mann den Weg erklärt habe steht schon wieder der nächste da.
„Wissen Sie, ob hier irgendwo in der Nähe eine Post ist“
Auch er hat ein Schnitzel in der Hand. Ob er das verschicken will?

Nichtmal eine Strasse entdecke ich tatsächlich den Fleischer, der ein „Schnitzel to go“ anbietet. Und nicht nur das. Er hat auch „Wurst to go“, „Leberkäs to go“ oder „Fleischpflanzerl to go“. An der Bescherung im Umkreis erkenne ich: Nur ein paar Meter weiter gab es denn wohl auch: „Senf to Loose“! Aber nicht zu knapp.
Als ich näherkomme, sehe ich nebendran auch noch ein Eiscafé. Es wird aber wohl auch von der Metzgerei betrieben. Dennoch, auf Eis habe ich Lust.
Gehe hin und ordere zwei Kugeln.
Die Eisdielenfrau antwortet: „Gerne. In der Waffel, im Becher oder im Schnitzel?“
Nehme eine Kugel Erdbeer und eine Kugel „Maguro Maki“ im Schnitzel. Hatte gedacht, es wäre ein Witz des Eiscafés ihre Sorten auch nach Sushi zu benennen. Aber die Kugel „Maguro Maki“ schmeckt wirklich total nach Thunfisch in Reis.
Erstaunlich.

Horst Evers: Das Leben nach zwei Jahren im Corona-to-go-Modus

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