Eine Freundin beschwert sich, ich hätte ihr eine Einkaufsliste per WhatsApp geschickt.

Schaue nach und stelle fest: sie hat recht. Da sie so ähnlich wie meine Tochter heisst, bin ich offensichtlich in der Zeile verrutscht und habe ihr versehentlich den abfotografierten handschriftlichen Zettel mit Dingen, die das Kind auf dem Heimweg besorgen sollte, gesendet.

Entschuldige mich. Sie meint, es wäre kein Problem, sie rufe ohnehin nur an, weil ihr gleichfalls ein Missgeschick unterlaufen wäre. Als sie nämlich die Lesevorschläge für ihre Literaturgruppe rumschicken wollte, habe sie nun versehentlich meinen Einkaufszettel an alle Mitglieder weitergeleitet.

Daraufhin kommt es zu folgendem Dialog. Ich frage:

„Wieviele Mitglieder hat denn eure Literaturgruppe?

-Aktuell 22. Und ein paar haben wohl auch schon das Buch: „Möhren und Zucchini, wenn möglich bio“ zu bestellen versucht.

-So ein Buch gibt es?

-Bislang eigentlich nicht. Aber aufgrund der vielen Kundenanfragen, soll Amazon wohl schon nach jemandem suchen, der jetzt so ein Buch schreibt.

-Wegen zwei, drei Anfragen aus Eurer Literaturgruppe?

-Nicht ganz. Paul hatte keine Zeit, sich darum zu kümmern und hat deshalb seine Tochter gebeten, das Buch für ihn zu bestellen. Die jedoch brauchte gerade irgendwas mit etwas Anspruch, was sie in ihrem kleinen YouTube-Kanal empfehlen konnte. Und weil ihr nichts anderes einfiel, hat sie da einfach das Buch genommen, das ihr Vater aktuell in seiner Literaturgruppe liest. Also: „Möhren und Zucchini, wenn möglich bio“.

-Wieviele Abonnenten hat Pauls Tochter denn?

-Gar nicht soviele. Knapp 200 glaube ich. Aber darunter ist auch eine schon erheblich erfolgreichere Influencerin mit über 1000 Followern, die den Titel irgendwie toll fand. Weshalb sie das Ganze geteilt hat, wodurch es bei einer noch bekannteren YouTuberin landete, die es wieder empfahl, woraufhin es zu noch berühmteren Leuten kam, die es wieder und wieder verbreiteten, bis es schliesslich bei den ganz großen Stars gelandet war. Offensichtlich hat das Ganze nun wohl mehrere Millionen Aufrufe oder so.“

Noch ehe wir beide darüber herzlich lachen können, bekomme ich eine SMS von meinem Verlag. Es habe sich da etwas interessantes ergeben. Ob ich nicht vielleicht Interesse an dem zur Zeit extrem nachgefragten Buchtitel:

„Möhren und Zucchini – wenn möglich bio“ habe. 

Ich müsste das Manuskript dann allerdings sehr, sehr schnell abgeben, da man das Buch bereits bestellen könne. 

Denke, das ist ja super. Dann werde ich das Buch einfach bestellen. Es, sobald ich es habe, abschreiben, und später das Ganze als Manuskript an den Verlag schicken. Was kann schon schiefgehen?

(Horst Evers, Mai 2020)

Horst Evers: Möhren und Zucchini – wenn möglich bio

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