Ein befreundeter Künstler fragt, ob ich ihm nicht vielleicht bei einem Projekt helfen könne. Seine Idee sei es, aus den mittlerweile ja sehr vielen wahllos in der Stadt rumstehenden E-Rollern ein riesiges Hakenkreuz zu legen, welches man dann mit einer Drohnenkamera von oben aus filmen könnte. Vielleicht auch noch mit einem aus Leihrädern gelegten Pfeil dazu, der dann auf die AfD-Zentrale zeigt oder sowas.
Das würde, meint er, gleich mehrere hochaktuelle, brisante Themen ineinander verschränken und so wahrscheinlich ein vielzitiertes Bild, bzw. Meme fürs Internet produzieren.
Ich bin skeptisch. Auch und gerade wegen der Hakenkreuz-Symbolik. Ich meine: Hakenkreuz, ey das ist doch irgendwie wieder so typisch deutsch.
Man könnte stattdessen ja mal überlegen, ob man nicht was anderes aus diesen E-Rollern legen könnte. Zum Beispiel einen Stinkefinger. Der worauf auch immer zeigt. Oder das Verkehrszeichen „Stopp“. Hätte dann auch nochmal einen inhaltlichen Zusammenhang mit den E-Rollern. Oder man schreibt einfach etwas: Zum Beispiel: „Vorsicht!“ aus E-Rollern oder wenn es politisch bleiben soll: „Wähler haften für ihre Dummheit“. Irgendwie sowas.
Wobei ich ja auch immer ein großer Freund des Fragezeichens bin. Einfach nur ein riesiges Fragezeichen, gelegt aus E-Rollern und Leihrädern mitten in der Stadt. Das macht nachdenklich und die Älteren erinnert es auch an die Show „Am laufenden Band“ mit Rudi Carrell. Wo am Ende immer das Fragezeichen kam und man nicht wusste, was sich dahinter verbarg. So wie hier dann ja auch.

Man könnte aber auch die E-Roller einfach so willkürlich aneinanderlegen und erst dann überlegen. Also, wenn man es von oben sieht, wonach es wohl aussieht. Kunst aus dem Unterbewusstsein. Wer weiß, was sich dann ergibt. Man staunt da oft.
Im kanadischen Vancouver geschah es Anfang der 90er Jahre, daß durch Zufall die vielen Baustellen an einer der großen Ausfallstrassen so angeordnet waren, daß diese, als sie dann in der Nacht alle beleuchtet wurden, in ihrer Gesamtheit tatsächlich von oben zufällig so aussahen, als würde ein riesiger beleuchteter Penis direkt auf die Stadt zeigen. Zumindest fand das eine ortsansässige Radiostation, die dies, von ihrem Verkehrsfunkhubschrauber aus, so beobachtet haben wollte.
Zudem war es laut dieser Radiostation auch so, daß in der Dunkelheit frühmorgens, der durch diesen Penis langsam in die Stadt fliessende, gleichfalls beleuchtete Autoverkehr auch noch wirkte wie… also das war wohl noch zusätzlich verstörend.
Jedenfalls hat die Stadt Vancouver angeblich sehr schnell die Veröffentlichung von Luftaufnahmen untersagt und dann auch zügig die Anordnung und Beleuchtung der Baustellen verändert.
Gleichzeitig behauptet sie aber auch bis heute,
die Rundfunkstation hätte Quatsch erzählt.
Das alles habe nie wie ein leuchtender Penis ausgesehen, sondern mehr wie ein recht dünner Weihnachtsbaum mit großer Krone.
Weshalb der Radiosender bis heute die Tradition hat, unter seinen Hörern einen Preis zu verleihen, für den privaten Weihnachtsbaum, der einem leuchtenden Penis am ähnlichsten sieht.
Jedes Jahr werden da wohl zu Weihnachten sehr viele lustige Fotos eingesandt.
Aber das ist vermutlich wieder typisch kanadisch! Dieser Humor. Wahrscheinlich.

(Horst Evers, Mai 2020) 

Horst Evers: Symbole

Beitragsnavigation


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Close It