Peter hat kürzlich einen Artikel gelesen, in Korea forsche man aktuell bereits an einer weiteren Stufe für demnächst noch intelligentere Haushaltsgeräte. Im Gespräch sind wohl Multimedia-Mixer, Dolby-Sourround-Staubsauger mit Formel-Eins Motoren oder 3D-Mikrowellen, in denen es dann so aussieht, als würde beispielsweise Gandalf in der Mikrowelle live die Fertigsuppe zubereiten.

Das alles sind aber wohl mehr so Spielereien. Der große neue Trend ist: Internet für Leute ohne Computer, also daß auch Leute, die sich nicht für diesen ganzen IT-Kram interessieren, das Internet nutzen können, weil sie dann eben einfach auch mit den Haushaltsgeräten ins weltweite Netz können. Zum Beispiel Waschmaschinen, die selbstständig über Facebook erfragen, was die Freunde wahrscheinlich bei der nächsten Party tragen werden und dann in Eigenregie, die perfekt dazu passenden Sachen pünktlich auf Termin waschen und trocken. Selbstverständlich müssen diese Waschmaschinen dann mit dem Schrank vernetzt sein und mit der Waage natürlich, damit die Sachen auch passen, ja sogar perfekt sitzen, aber gerade bei Haushalten mit mehreren Personen kann es da manchmal zu Missverständnissen kommen. 

In koreanischen Testfamilien waren wohl Väter somit gezwungen in den Cosplayer-Kostümen der Kinder, also als Sailor-Moon oder Ninja-Pokemon ins Büro zu gehen, aber das kann ja im Arbeitsalltag auch mal eine schöne Abwechslung sein.

Mein kommendes Lieblingsgerät werden aber die intelligenten Toaster sein. Toaster mit Netzzugang und quasi eingebautem Wikipedia. Das heißt, man gibt den Begriff in den Toaster ein und er, der Toaster, brennt den Lexikoneintrag dann direkt in die frische Scheibe Toast. Diese Scheibe muss man dann praktisch nur noch essen und schon weiß man direkt alles, was der Toaster weiß. Wahnsinnserfindung! So ein Prototyp davon wurde glaub ich auch auf der letzten Funkaustellung vorgestellt. 

Funktioniert im Prinzip, das Problem ist nur, daß das neue Wissen der Scheibe Toast in der Regel für einige Zeit erst einmal alles Wissen des Menschen, der es gegessen hat, überlagert. 

Das muss man sich praktisch, wie so einen Vorgang des Überschreibens vorstellen, der bis zu 30 Minuten dauern kann. Wenn man also versehentlich eine leere Scheibe Toast aus diesem Toaster isst, weiß man eventuell mal 30 Minuten lang exakt soviel wie eben eine Scheibe Weißmehltoast weiß. Was, unter uns gesagt, jetzt nicht gerade die Welt ist. Also jeder der sich schonmal einen Vormittag lang mit einer Packung Toastbrot unterhalten hat, weiß ja warum Toastbrot selbst unter Broten, also bei anderen Brotsorten, als eher dröge und begriffsstutzig gilt.

Trotzdem freue ich mich auf diesen Toaster. ich glaube, ich will den haben. Denn offengestanden, war das schon immer eine meiner allergrößten Leidenschaften. Sinnlose Zusatzfunktionen von elektrischen Geräten. Das liebe ich. Weshalb ich in Geschäften vor dem Kauf auch manchmal noch extra frage: „Kann das auch was, was man nicht braucht?“ 

Das wäre mir wichtig.

 

(Horst Evers, Mai 2020)

Horst Evers: Was mir wichtig ist

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