Absehbar wird das ja nix mehr mit den zwei Wochen All Inclusive an der Costa Brava dieses Jahr. Also haben wir uns zu einer radikalen Umbuchung entschlossen. Keine Flugreise und eine alternative Unterkunft. Diese dann aber auch sofort. Seit drei Tagen machen wir nun unseren Pauschalurlaub zu Hause. Mit allem Pi Pa Po. 

Am ersten Urlaubstag habe ich mir im Euro-Laden gleich einen Strohhut gekauft. Für 1 Euro 10! Wie im Urlaub. Man kenn das ja. Alles ist halt mindestens zehn Prozent teurer in diesen Touristengegenden. Weisse Socken für in die Sandalen hab ich auch schon. Jetzt fehlt mir nur noch ein T-Shirt mit einem richtig dummen Spruch drauf. Damit ich später auch eine bleibende Erinnerung an diesen Urlaub im Schrank habe. Einziges Manko, das derzeitige Wetter ist ja eher durchwachsen. Da bleibt man lieber mal Indoor.

Den lieben langen Tag faul auf dem Sofa rumliegen und latent schrottige Romane lesen. Mir kommt auch das schon ziemlich spanisch vor. Morgens zum Frühstück gibt’s jetzt den im Hotel üblichen Dosenobstsalat, dazu obskure Frucht-Joghurt Spezialitäten und als Belag auf die aufgebackenen Schrippen ein Sortiment von absolut geschmacksfreien Schnittkäse. Alles wie bei einem lieblosen Frühstücksbüffet im billigen Hotel. Das Buffet bauen wir uns jeden Morgen auf. Extras: Harte Eier und fragwürdige Fruchtsäfte. Wir haben uns sogar Discounter Kaffee besorgt, damit sich das richtige „friss oder stirb“-Feeling einstellt. All Inclusive eben. Das Paket muss stimmen, sage ich immer. Mittagessen gibt’s in auch der Küche vom Buffet. Gestern habe ich Birgit da ein letztes Würstchen vor der Nase weggeschnappt. Die hat aber sowas von sauer geguckt! Tja, da musst du halt früher aufstehen, mein Mädchen. 

Abends dann die große Versöhnung bei Sangria satt für uns beide aus dem Eimer. Unser Fernsehgerät hab ich extra ins Schlafzimmer gestellt, damit wir auch zuhause mal vom Bett aus auf die Mattscheibe starren können. Ein Luxus, der uns sonst nur in Hotelzimmern geboten wird. 

Wenn’s Wetter schlechter ist, wie jetzt gerade bei dem Regen, da arbeite ich dann weiter an meiner Mängelliste. Wie in einem richtigen Pauschalurlaub. Mit Beweisfotos und Allem. Man muss sich doch beschweren. Vielleicht gibt’s dann was vom Reisepreis zurück? Oder einen Gutschein?

Was nun echt fehlt, wenn ich zum Fenster raus sehe, ist der Meerblick. Wir buchen immer mit Meerblick. Da lassen wir uns nicht lumpen. Die paar Euro ist mir ein Strand Panorama vor dem Balkon wert. Und nun? Guck ich zum Fenster raus, sehe ich da einen eindeutigen Mangel. Und der ist nicht der einzige. Dazu kommt auch das mit der Hygiene. Also die Kalkränder in der Kloschüssel, z.B. und der Staub unter den Betten und auf dem Möbeln. Von den Fruchtfliegen am Obstkorb gar nicht zu reden. Das sind alles eindeutige Reisemängel. Der Föhn ist uns gestern auch noch kaputt gegangen. Und dass einem keiner die Betten macht. Unser Arrangement ist halt im unteren Preissegment angesiedelt. In der Tat verdammt weit unten. Von wegen: „schönste Wochen des Jahres“?

Das Ausflugsprogramm lässt leider auch zu wüschen übrig. Also, dass wir hier in Berlin keine antiken Ruinen oder blauen Grotten haben, das ist schon überaus bedauerlich. Keine Pinienwälder nirgends auch nur ein Olivenhain. Wenn uns hier ein Ausflug angeboten wird, dann höchstens mal nach Brandenburg. Na toll? Das Brandenburg hab ich auch zu Hause. Keine Lederwarenfabrik oder Teppichmanufaktur mit Werksverkauf. Nichts. Keine Afrikaner, die uns andauernd auf die Pelle rücken und uns ihre Ketten oder Masken aufschwatzen wollen. 

Man würde sich doch sogar mal wieder richtig über’s Ohr hauen lassen wollen. Nur wegen des echten Urlaubsfeelings. Damit das ganze Erlebnis stimmig wird. Das gehört doch irgendwie auch dazu. 

Wenn es so weiter geht, dann buchen wir aus lauter Verzweiflung noch einen Nachmittag bei Möbel Höffner. Mit Kaffee & Torte für 3 Euro 95. 

* Liedzeile der britischen Punk Band „Gang of 4“ (1979). 

(Jürgen Witte, Mai 2020)

Jürgen Witte: At home he feels like a tourist*

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