Es gibt so Wochen, die vergehen und mir bleibt davon kaum etwas in Erinnerung. Unsere Covid-19 Wochen sind sich halt sehr ähnlich geworden. Maske auf, Maske ab. Und man macht unwillkürlich einen weiteren Bogen, wenn da jemand auf dem schmalen Trottoir entgegen kommt. In dieser Woche hat sich nur ein einziges Zitat bei mir eingebrannt. Wie so oft war es auch dieses wieder aus dem Fernsehen. Die Medien machen den Menschen, wenn sie ihn nicht gar ganz verrückt machen. 

Ich erinnere mich aber auch noch an eine ähnliche Woche einige Zeit vor der Virenkrise, wo ein gewisser Friedrich Merz, er möge in der Versenkung bleiben, aus der ihn der depperte Hamburger „Spiegel“ bis zum heutigen Tage unermüdlich hervor zu zerren sucht, wie dieser Friedrich Merz ein Podium erklomm und sich vor seinen Parteifreunden brüstete: „Ich traue mir zu, die AfD-Wahlergebnisse zu halbieren. Das traue ich mir zu, liebe Freunde!“, und keiner der anwesenden „Freunde“, der ob dieses lächerlichen Versprechens in die hohle Hand mal schallend gelacht hätte. 

Diese Woche nun hat sich ein Zitat aus weit weniger prominentem Munde bei mir eingebrannt. Die Szene spielte in einem bayerischen Dorf am Donaustrand, wo ein Landwirt die Absicht hatte, auf einem seiner weniger ertragreichen Felder eine dieser nützlichen, aber, zugegebenermaßen nicht immer gerade ansehnlichen Fotovoltaik-Anlagen zu errichten. In direkter Nachbarschaft zu einem Golfclub, dessen Vereinsvorsitzende die Genehmigung des Projekts um jeden Preis zu verhindern sucht. Und die Dame zeigte sich nicht um Argumente für ihre Ablehnung verlegen. So sprach sie also: „Von so einer Anlage geht ja auch eine optische Emission aus, das muss man doch bedenken.“ Und bislang hat sie Erfolg damit. 

„Optische Emission“ dachte ich bei mir, das will ich mir merken und fand auch gleich eine Anwendung für das eben Gelernte bei einem ganz anderen Thema, welches, von Großstädtern bislang eher ignoriert, unsere Mitmenschen in den besonders beschaulichen, eher ländlichen Gegenden seit Wochen intensiv beschäftigt. Tausende, ja zehntausende Biker demonstrieren für ihr vermittels einer Fahrerlaubnis der Klasse 1 und der Verausgabung einiger tausend Euro erworbene Recht auf ihre ungezügelte, nach Benzin stinkende Freizeitgestaltung. Und das trotz fragwürdiger akustischer- und CO₂ trächtiger Abgasemission. Biker fahren vornehmlich dort hin, wo es besonders schön sein soll, um den Leute dort ihre landschaftliche Schönheit mal gründlich zu verderben. Und das sei noch dazu gesagt: So ein Biker kommt selten allein. 

Als langjähriger Gegner dieser protzigen Krachmaschinen möchte ich nun anfügen, dass von den bombastisch behelmten Menschen im schwarzen Wurstpellenoutfit, wenn sie sich am Wochenende auf ihren übermotorisierten Kraftmeiergeräten austoben, nebst Verkehrsgefährdung, Lärm und Abgas zusätzlich auch „optische Emissionen“ ausgehen, die man den vielen davon genervten Menschen am Straßenrand vielleicht ersparen sollte. 

(Jürgen Witte, Juli 2020) 

Jürgen Witte: Die optische Emission

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