3 Corona-Schnipsel

 

Moralische Dilemmata, bislang ungeklärt.

Wenn wir, ob des schönen Wetters trotz Pandemie spazieren gehen, noch ist das ja erlaubt, dann begegnen uns nun immer zahlreiche Passanten mit einem Mundschutz im Gesicht. Obwohl alle Apotheken ihren Kunden schon von aussen sichtbar mitteilen, dass selbige Mundschutze (Mundschütze?) auch bei ihnen nicht erhältlich seien.
Ist das öffentliche Tragen von einem Mundschutz nun besonders rücksichtsvoll den anderen Passanten gegenüber, oder ist es es doch, wie andernorts gesagt wird, zu verdammen, weil der Mangelartikel Mundschutz ausschließlich medizinischem Personal vorbehalten sein sollte?

 

Denken die Kirchen schon darüber nach die Fastenzeit zu verlängern?

Ostern hätte ich beinahe völlig vergessen. Und ich bin nicht der einzige. Die vielen Regale und bunten Pappaufsteller mit Osterartikeln in den Supermärkten werden von der Kundschaft weitestgehend ignoriert. Der Focus der panischen suchenden Käufer richtet sich quasi ausschließlich auf die Hamster- und Mangelartikel Küchenrollen und Klopapier, auf Seife und Mehl. Als ich gestern auf den saisontypischen Gedanken kam, uns die für’s Fest ja so nötigen Eierfarben zu besorgen, und nachfragt, wo selbige wohl zu finden wäre, sagte mit der Herr über die Regale: „Eierfarben? Eierfarben waren doch schon letzte Woche.“
„Und jetzt?“
„Natürlich alle.“

 

Ein Gefühl von Leere

Besonders wehmütig stimmen an notorisch leergeräumten Regalen die handgeschriebenen Hinweise, dass vom Nichtvorhandenen maximal zwei Artikel pro Person mitgenommen werden dürfen.

 

(Jürgen Witte, März 2020) 

Jürgen Witte: Corona-Schnipsel

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