Selten haben die Grafiker dieser Welt so viele verschiedene Bilder von ein und dem selben Ding entworfen, wie wir es nun beim Corona Virus erleben. Die Bilder des winzig kleinen, gefährlich stacheligen Bällchens gibt es in tausenderlei Versionen. Und auch bei der Farbgebung durfte sich jeder Künstler völlig frei entscheiden. Denn die Frage nach der Farbgebung ist in dieser Welt der kleinsten Teilchen völlig offen. Mit welchem Kontrastmittel ein Mikrobiologe sein Präparat schlussendlich sichtbar macht, bleibt dem Herrn der Wissenschaft und seinen Laboranten überlassen. Bei zusätzlicher Überarbeitung des mit millionenfacher Vergrößerung gewonnenen Bildes am Computer stehen ausserdem vielfältige Bildbearbeitungsprogramme zur Verfügung. So schick, wie ein tatsächliches Corona-Bild nach all diesen Verschönerungen dann auch aussehen mag, meist reicht das Ergebnis doch nicht hin. 

Wirkliche Topqualität liefern eben nur die professionellen Illustratoren.  Und so wimmelt es nun von grauen, grünen, blauen, orangen, roten und lila Virendarstellungen in unseren Medien. Die ZDF Nachrichten Redaktion hat sich für ein schrundig graues Bällchen mit Brokkoli Strunk artigen, komischerweise aber roten Pömmeln entschieden. 

Und man ist in Mainz mit diesem Bildentwurf überaus zufrieden, so dass der immer gleiche picklige Ballon nun seit Wochen fast täglich im Heute-Journal hinter Klaus Kleber zum Einsatz kommt. Dabei ist gerade die Form jener Pömmelfortsätze unter den Grafikern höchst umstritten. Über die grundsätzliche Ballartigkeit des Virus sind sich alle einig, aber was für Extremitäten soll das Gebilde bekommen? Der eine formt sie sich nach Pilzvorbildern mit Stengel und Schirmchen, der andere sieht sie eher als Saugnäpfe. Veritable, umgedrehte Pömpel, die in solchen Darstellungen dann aus der Mutterkugel sprießen. Weniger inspirierte Zeichner begnügen sich mit simplen ovalen Ausstülpungen, die plötzlich eine ganze Generation an die Olchis-Bücher ihrer Kindheit zurückdenken lassen. Es gibt aber auch Entwürfe, die aussehen wie ein Golfball, in den man, mit welch brutaler Methode auch immer, eine Vielzahl von Rundkopfstecknadeln gestoßen hat. 

Das Gesundheitsministerium in NRW hat sich einen extra Grafiker gespart und greift zum Visualisieren des Virus auf ein Tapeten- , Vorhang- oder Blusenstoff-Muster aus den späten 60er Jahren zurück. (Siehe Startbild.)

(Jürgen Witte, April 2020)

P.S.: Vorgestern baute ich mir, wie ich das öfter tue, in der Küche mein eigenes Corona Virus Modell. Denn es gab „Tafelspitz“, also, den Veganern sei’s erklärt, ein schönes mageres Stück gekochtes Rindfleisch. Und wenn ich selbiges Gericht zubereite, dann werfe ich eine rundum üppig mit Nelkenblüten gespickte Zwiebel mit ins kalte Wasser. Das hab ich schon immer so gemacht. Dann das Ganze erhitzen und je nach Gewicht zirka eine Stunde köcheln lassen. Neben Salz und Lorbeerblättern ist mein eigenes, der im ZDF gezeigten Version recht nahekommendes Zwiebel-Virenmodell bei klassischem Kochfleisch als Gewürzbeigabe unabdinglich.

Jürgen Witte: Du sollst Dir ein Bild machen!

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