Der Sport, so sagen seine Freunde und so sagen nicht zuletzt auch seine in selbiges Metier involvierten Streiter um Ruhm und Ehre; der Sport, sagen sie alle, sei eine Sphäre, die dem Menschen ungeahnte Einsichten verschaffe, ihm mitunter auch echte Lehren erteile. Fundamentale Wahrheiten, wie sie an den herkömmlichen, auf die oft staubtrockene Vermittlung von Wissen spezialisierten Bildungseinrichtungen, niemals zu erlangen wären. 

Nun ist der Sportler selbst, so brillant seine Fertigkeiten auf sportlichem Gebiet auch immer sein mögen, eher selten in der Lage, eben dieses, ihm im fairen Wettkampf zuteil gewordene Quentchen Weltwissen, für bedarftes und unbedarftes Publikum in allgemein verständliche Sätze zu kleiden. So mancher Top-Athlet, vornehmlich auch ein solcher, der von jungen Jahren an fast ausschließlich dem Fußballsport frönt, ist darüber der Hellste im Hirn nicht geworden. Auch ein spezielles Training in öffentlichem Auftreten wirkt nicht bei jedem der Kandidaten gleich Wunder. 

Um selbiges, ab und an echt peinliches Manko auszugleichen, wurde der Sportreporter erfunden. Dieser meist männliche Schwenker mannigfaltigster Mikrophone, der den Gutteil seines Berufsleben damit bestreitet, egal welches Häppchen Weltwissen im zum Interview geladenen Sportlerhirn aufzuspüren, es von dort drinnen mühselig zu Tage zu fördern, um diesem Extrakt an Einsicht hernach in einer für uns alle verständlichen Sprache maximale Geltung zu verschaffen. 

Maximal gelingt ihm das immer dann, wenn eine echte Maximen dabei herausspringt. Eine Fertigkeit der Formulierung, für die der Sportreporter eines zu interviewenden Partners lägst nicht mehr bedarf. Er holt sich solche Knaller-Sätze auch gerne mal aus seinem hohlen Bauch. Wie zum Beispiel die griffige Maxime: (Du brauchst als Sportler eben) „einen geilen, sauberen Charakter, den du dann in dein Leben implementierst.“ 

So gesprochen bei der ewig währenden Nachschau des Deutschen Fußball-Pokalfinales 2020 in der ARD. 

Da weiss man doch wieder, wofür man seine Gebühren bezahlt. So abgründig tief in unser aller Innerstes lässt nunmal einzig der Sport uns blicken. 

(Jürgen Witte, Juli 2020)

Jürgen Witte: Wenn sich trotz ansteigender Formkurve Abgründe auftun

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