Wegen des Sicherheitsabstands, den auffällig viele Kunden zum Vordermann einhalten, reichte die Kassenschlange im Penny-Markt bis weit in die hinteren Gänge des Ladens. Eine gesetzteDame in gehobener, für einen Discounter eher untypischer Ausgehkleidung stürmte an unserer Schlange vorbei und zeterte: »So geht das doch nicht! Können Sie mal eine zweite Kasse besetzen?«

Vorne angekommen,bemerkte sie, dass längst beide Kassen geöffnet sind. Auf dem Weg zurück ans Ende der Schlange brodelt es in ihr weiter. »Zeit ist schließlich Geld!«, grantelte sie für alle Kunden vernehmbar, alssie uns entgegen stapfte.

»Nein«, erwiderte ich, »im Moment ist die Zeit grade umsonst. Wir kriegen sie geschenkt!«

»Hä?« Ungläubig schüttelte die betriebsame Mitfünfzigerin den dauergewellten Schopf.

»Machen Sie sich doch mal das Geschenk!«, setzte ich gleich noch nach, und wunderte mich dabei ganz gehörig über mich selbst. Wer hätte gedacht, was diese Zeiten in unseren Köpfen so alles anrichten können?

(Jürgen Witte, 20.03.2020)

Jürgen Witte: Wie ich mich selber total überrascht habe

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