Es ist der 4. Juli. Independence Day. Die USA verzeichnen einen neuen Rekord an Neuinfektionen und der Möhrenkopf der Nation stellt sich an den Mount Rushmore und hält vor Tausenden Menschen ohne Mund-Nasen-Bedeckung eine hohle Rede.
In solchen Momenten werde ich dann immer ganz milde mit der deutschen Regierung und spüre eine gewisse Dankbarkeit, nicht unter der Regentschaft eines derart dummen und gefährlichen Menschen leben zu müssen.
Aber dieser Moment geht dann auch schnell wieder vorbei.
Wenn man über den Kohleausstieg redet zum Beispiel.
Da übt sich die Bundesregierung in Science Fiction, im Jahr 2038 soll es jetzt so weit sein. Anders gesagt: Der Berg kreißte und gebar einen Mausstieg.

Meine in Berlin lebenden amerikanischen Freunde überlegen noch, wie sie den Nationalfeiertag begehen. Stand 18 Uhr: vermutlich gehen sie mexikanisch essen. Oder chinesisch. Das würde Trump ärgern, sagen sie.
Und wir? Grillen uns vielleicht ein Tofuschnitzel. Mit Ökostrom, versteht sich. Salz brauchen wir nicht, wir werden einfach ein bißchen hineinweinen.

(Susanne Riedel, Juli 2020)

Susanne Riedel: Gedanken am 4. Juli

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