Montag.
Der Geschirrspüler ist kaputt, der Kontostand auf Talfahrt, die Laune dicht auf den Fersen.
„Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“ schimpfe ich vor mich hin. Meine Kinder gucken verdutzt, ein bißchen anerkennend auch, bin ich doch hier sonst eher die Hüterin der gepflegten Ausdrucksweise. Die Redewendung kannten sie offenbar noch nicht. Ich schenke sie ihnen, sie sind noch jung, sie werden sie noch brauchen.

Der Geschirrspüler ist noch nicht alt, die Garantie gerade erst abgelaufen. Eine Fehlermeldung gibt es nicht, aber auch nach mehreren Neustarts will die Maschine nicht tun was sie soll. Am Zulauf liegt es nicht, Wasser läuft. Es ist partout nicht herauszufinden, was der Fehler ist. Es ist zum Mäuse melken.
Während des Spülvorgangs reingucken kann man auch nicht, und so entsteht in meinen Gedanken langsam eine Art persönliches Bild von der Mechanik.
Ganz beflissen zieht sie Wasser, „Ja, hör nur, wie ich arbeite!“ gluckert sie wichtig. Aber dann wähnt sie sich hinter der verschlossenen Türe in Sicherheit, schnippst mit spitzen Fingern ein paar einzelne Tröpfchen auf das dreckige Geschirr, bevor sie sich angewidert abwendet und lieber die Nägel feilt, während sie nach außen hin ganz planmäßig die Uhr runterlaufen lässt und fleißig tut.
Miststück.

Ich google nach Reparaturdiensten, was sich als recht freudlose Aufgabe erweist, denn die Online-Bewertungen sind allesamt grottenschlecht.
Auf Youtube finde ich zahlreiche Videos, die die Reparatur der gängigsten Defekte bei Geschirrspülern sehr anschaulich und professionell erklären.
Nach zwei Stunden weiß ich immer noch nicht, was meiner Maschine fehlt, kenne jetzt aber viele neue Wörter, von deren Existenz ich vorher nichts geahnt hatte.
Meine Favoriten sind die Pumpensumpfdichtung und die Überwurfmutter. Auch dazu entstehen sofort viele Bilder vor meinem geistigen Auge, die auch allesamt sehr gut zu diesem Montag passen.

Es ist nicht leicht, einen Termin zu kriegen. In den folgenden Tagen habe ich deshalb Gelegenheit, meinen Kindern die genaue Bedeutung der Redewendungen Vom Tellerwäscher zum Millionär, In der Not frisst der Teufel fliegen und Eine Hand wäscht die andere zu erläutern.
Dann kommt der Mann vom Reparaturservice.

Bange sitze ich auf dem Küchenstuhl, schweige still und erwarte sein Urteil. „O-oh“… sagt er.
Dann sagt er lange nichts.

Kennt Ihr das?!
Mechaniker und Ärzte haben das voll drauf: „O-oh“ zu sagen. Und dann lange nichts mehr.
In einem langen Vortrag schließlich bringen sie einem dann bei, dass es sich um ein schwerwiegendes Problem handelt. Es ist die Pumpe. „Es tut mir wirklich leid.“

Dann gilt es, eine Entscheidung zu treffen. „Wenn es ihre Mutter wäre…“, höre ich mich noch fragen, „was würden sie tun?“ Aber da tragen sie sie auch schon hinaus.

Nun heißt es abwarten.
„Glaubst Du, die kriegen das hin?“ fragt mein Sohn beim Abtrocknen. Und naja, was soll man darauf sagen?
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ vielleicht.
Oder – allein um diesen anerkennenden Blick nochmal zu erheischen: „Man hat schon Pferde kotzen sehen.“

(Susanne Riedel, Juni 2020)

Susanne Riedel: Grüße aus dem Pumpensumpf

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