Sonntagmorgen.
Ich wache auf.

Puh, das war wirklich ein krasser Traum. Irgendein Virus war außer Kontrolle geraten und hatte das Land im Griff, alle Menschen trugen mitmal Masken, das war unheimlich. Irgendwie wollte ich dann meinen Vater im Heim besuchen, aber kam nicht rein. Leere Busse fuhren durch die Straßen, die meisten Geschäfte hatten geschlossen. Auch der Schlot war dicht, alle Bühnen waren dicht. Das war vielleicht schräg…

Der Kaffee macht mich langsam munter, ich schreibe noch fix den Liedtext zu Ende und kopiere ihn für die Kollegen. Heute ist Mai-Premiere! Ich habe „Der Mai ist gekommen“ umgedichtet auf „Der Kai ist benommen“. Schon wieder ein Trinklied, ich kriege vermutlich langsam einen fragwürdigen Ruf, aber was soll´s.
Als kleines Kind dachte ich immer, „die Bäume schlagen aus“ bedeutet, dass Bäume ausschlagen können, also – wie Pferde halt. Die Sonntagsspaziergänge mit der Familie im alten Stadtpark waren deshalb stets von einer gewissen Anspannung begleitet.

Auf geht´s, Texte, Bücher, Handy, ich schultere meinen Rucksack und mache mich auf den Weg. Frühschoppen, der Sonntagsspaziergang für Erwachsene. Yeah. Ich freue mich auf die Kollegen! Mal hören, was so los war die Woche. Es ist Ramadan, sicher hat Hinark wieder Kuchen von seinem türkischen Taxifahrer dabei. Ob Hans einen Text hat? Egal.
Lächelnd laufe ich zur Bushaltestelle. Der Flieder duftet.

Sonntagmorgen.
Ich wache auf.

 

(Susanne Riedel, Mai 2020)

Susanne Riedel: Sonntagmorgen

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Ein Gedanke zu „Susanne Riedel: Sonntagmorgen

  1. auch bzw. gerade zu Coronazeiten bedanken wir uns für die „Alternativen“!

    aber: Euer Captcha bringt mich zur Verzweiflung, uuuuuuuh, das zehnte Mal, „Wrong Captcha“

    was will der denn wissen? mit dem Strich, ohne, oder Reihenfolge falsch – ist doch eigentlich ganz einfach – sollte man meinen, nö…

    Bleibt gesund!
    Liebe Grüße
    Reinhard

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